Zur Maltechnik bei den SchwarzlichtbildernZur Maltechnik bei den Schwarzlichtbildern


Zwei Bilder übereinander zu malen ist nur möglich, weil Brigitte Broquet beide Motive gleichzeitig in einem Malakt malt. Es handelt sich um eine sehr anspruchsvolle Maltechnik, denn jeder Pinselstrich muss sofort sitzen. Nichts kann im Nachhinein korrigiert werden.

Wenn Sie Fragen zu dieser Maltechnik haben, so nehmen Sie doch einfach Kontakt zu Brigitte Broquet auf; entweder per Telefon oder per Mail (s. Kontakt).

Beim Erwerb von Bildern aus der Brigitte-Broquet-Edition wird Ihnen kostenlos eine kleine Schwarzlichtlampe beigegeben.

 

Das zweite Bild sehen Sie, wenn Sie die Maus darüber bewegen.

Tag und Nacht | 2010 | Pigmente NT Acrylbasis auf Leinwand | 3x 100 x 100

Eine Schwarzlichtlampe läßt das zweite unter dem ersten gemalten Bild erscheinen.


 


ZurückLiebe Gäste!

Auch ich möchte Sie ganz herzlich zur Ausstellung »Klangvielfalt« von Brigitte Broquet begrüßen und ich möchte mit einer Aussage der Künstlerin beginnen.

»In der Ausstellung zeige ich Arbeiten, in denen ich mich mit der Wirkkraft von Gesehenem beschäftige. Ich verwandle dieses Gesehene in abstrakte, aber verständliche Zeichen. Hier ist mir fast immer die Natur des Ruhrgebiets das Vorbild. Der Betrachter bleibt dabei ganz frei und offen für die eigene Wahrnehmung.
Unter diesen abstrakten, aber verständlichen Zeichen verberge ich mitunter auch das Abbildhafte, das gegenständlich aufzufassende Motiv. In diesen Bildern wird unter Einfluss von Schwarzlichttechnik das Motiv sichtbar. Es scheint, als zöge ich einen Vorhang vor dem Bild weg. Ich lüfte ein Geheimnis und bringe das Bild so zum >klingen<«.

Das künstlerische Schaffen von Brigitte Broquet ist von Wandel, von aktuellen Geschehnissen, von ihrem Dasein im Hier und Jetzt geprägt. Die Gegenwart nimmt die Künstlerin mit großer Aufmerksamkeit wahr und macht deren Wirkkraft in ihren Gemälden sinnlich erfahrbar.

Brigitte Broquet ist im Département Pas de Calais geboren, einer Region in Frankreich, in der über Jahrhunderte hinweg der Kohleabbau Landschaft und Leute prägte. Nach Deutschland übergesiedelt, stellt sich bei ihr daher schnell eine tiefe Verbundenheit mit der Industrielandschaft des Ruhrgebiets ein.

Sie beginnt - fasziniert und begeistert, manchmal auch ein wenig erschrocken - den Wandel, den das Ruhrgebiet bis heute prägt, zu beobachten und dokumentiert ihn in ihren Bildern. So thematisiert sie beispielsweise die Renaturierung von Halden. Heute markieren Halden, gleichsam wie künstliche Berge, eine neue Topografie des Ruhrgebiets. Sie werden zu Orten der Kunst oder dienen den Menschen als Naherholungsgebiete.

Genauso beobachtet sie die Veränderungen, die in der Stadt Dortmund vor sich gehen. Kohle-, Stahl- und Bierindustrie verlieren ab den 1960er-Jahren ihre Bedeutung als Motor von Sicherheit und Wohlstand für die Bürger. Neue Wirtschaftszweige prägen die Entwicklung der Stadt: Informationstechnologie, Mikrosystemtechnik oder Logistik und nicht zuletzt die Kreativwirtschaft. Dies zeigt sich selbstverständlich auch in einer veränderten Stadtlandschaft.
So ist zum Beispiel das Dortmunder U heute längst nicht mehr eine funktional gründende Architektur des ehemaligen Gebäudeensembles der Dortmunder Union Brauerei, sondern gewinnt als denkmalgeschützter Solitär nun seine Bedeutung als Landmarke wenn es sich auf den Ort und dessen Geschichte bezieht und so »altgewohnte« Bilder beim Betrachter assoziieren lässt.

Brigitte Broquets Bilder spiegeln »immer gesehene, nie erdachte Wirklichkeit wieder«. Die Abstraktion dieser Wirklichkeit resultiert aus ihrer künstlerischen Auffassung, dass abstrakte Malerei Gesehenes aus »deren innerer Natur« heraus durch Reduzieren verwandelt.
Demgegenüber hat sie die gegenständliche Darstellung nie ganz verlassen. Sie ist immer wieder von geradezu zentraler Bedeutung. Schließlich hat die Künstlerin einen Weg gefunden, beide Kunstauffassungen, jede für sich ganz autonom, in einem einzigen Werk zum Ausdruck zu bringen.

Dies können wir auf beispielhafte Weise in dem Gemälde Ruhr.2010. Tag und Nacht sehen. In ihm zeigt sich zuvorderst eine von jeglicher Gegenständlichkeit befreite abstrahierte Farbwelt. Sie steht für eine Landschaftsimpression aus der Ruhrgebietsregion.

Den unteren Bereich der Bildfläche machen feinste Abstufungen der Farben Rot und Grün aus – ebensolch feine Farbabstufungen prägen den oberen helleren Bildbereich.
In aquarellartiger Acryltechnik und altmeisterlicher Manier wird Farbschicht um Farbschicht auf die Leinwand aufgebracht. Dabei erheben die unter der obersten Schicht scheinbar verborgenen Aufträge immer wieder ihren Anspruch in ihrer durchscheinenden Sichtbarkeit. Die komplette Bildfläche zeichnet sich durch feinste Farbabstufungen, sogenannten Tonwerten/Valeurs, einer oder mehrerer verwandter Farben aus. Brigitte Broquet achtet mit genauem Blick auf die Relation zwischen den Helligkeitswerten. Dadurch wird dieses Bild, vor allem in seinem oberen Bereich, als Resultat von Hell-Dunkel-Relationen aufgefasst. Auf diese Weise entstehen gleichsam Schattierungen, die Gegenständlichkeit assoziieren. Vielleicht zeigen sie die Schlote der Hochöfen, die Kamine der Ziegeleien oder die Förderschächte der Bergwerke et cetera? Der aquarellierend-malerische Pinselduktus erzeugt eine sanfte Poesie und eröffnet dem Betrachter eine Welt vielfältiger Seh- und Interpretationsmöglichkeiten.

In diesem Gemälde Ruhr.2010. Tag und Nacht setzt sich Brigitte Broquet aber auch mit der Abbildung einer in Dortmund sehr bekannten Architektur auseinander. Auf den ersten Blick ist dies nicht zu erkennen. Erst wenn Schwarzlicht auf die Bildfläche fällt, zeigt sich das zweite, gegenständlich aufzufassende Motiv.
Völlig überraschend entfaltet sich, in einem nuancenreich aufgetragenen Blau, die Gegenständlichkeit des Dortmunder U. Ein intensives Spannungsfeld der Betrachtung ist entstanden. In Bruchteilen von Sekunden, in kurzen Augenblicken, präsentiert die Künstlerin dem Betrachter ein ganz anderes, ein zweites Bild: ein Bild unter dem Bild.
Zunächst in der ruhigen Schau der sensibel aufeinander abgestimmten Farbflächen versunken, wird der Betrachter rasant in das Hier und Jetzt der Kunst- und Kreativwirtschaft Dortmunds versetzt. Unter Einfluss von Schwarzlicht scheint es, als sei ein Vorhang vor dem Bild weggezogen und ein Geheimnis, das unter ihm verborgen war, gelüftet. Das Bild erhält einen ganz anderen »Klang«.

Brigitte Broquet nimmt mit dem Motiv des Dortmunder U unmittelbar Anteil am Kunstgeschehen der Stadt.
Modernität definiert sich, wie bereits Charles Baudelaire 1863 in Der Maler des modernen Lebens schrieb, durch ständigen Wandel – »das Vergängliche, das Flüchtige, das Zufällige ...«
Und, wie wir alle wissen, war »Wandel durch Kultur. Kultur durch Wandel« das Motto von Ruhr.2010 – Kulturhauptstadt Europas.
Broquet interessiert sich für die Veränderung, die sich in der Atmosphäre des Strukturwandels vollzieht und verbildlicht sie. Sie stellt sich dabei die Fragen: Metamorphosiert das Ruhrgebiet von einer Industrie- gar zu einer Kulturlandschaft? Wird das Dortmunder U mit seinem Konzept dazu einen wichtigen Beitrag leisten? Fragen, die sicherlich erst in einigen Jahren zu beantworten sind.

Betrachten wir ein zweites Gemälde aus dieser Serie.

Hinter der Farblandschaft des Gemäldes mit dem Titel A10-81 verbirgt sich wieder ein zweites Bild, das erst unter Einfluss von Schwarzlicht sichtbar wird.

Auf der Leinwand entfaltet sich dem Betrachter ein ausgesprochen tiefer Himmel mit einer nied-rig angelegten Landschaft. Der Bildaufbau erinnert an die niederländische Landschaftsmalerei; ist jedoch auch der Heimat der aus Frankreich stammenden Künstlerin geschuldet. In ihrer Kindheit verbrachte sie in der Hafenstadt Calais viel Zeit am Meer; sie liebt dessen Weite und dessen ho-hen Himmel. Die Wirkkraft dieser Erinnerung bringt in der Schau der Ruhrgebietslandschaft längste verschüttet geglaubte Eindrücke wieder zum klingen und bringt sich im Bild zum Aus-druck. In ihm verweben sich Eindrücke von längst Erlebtem und aktuell Gesehenem.
Die Malerin arbeitet mit sensibel aufeinander abgestimmten Farbabstufungen, die sie mit feinen Pinselstrichen auf den Malgrund aufträgt. Die Bildlandschaft verläuft von herbstlich-bräunlichen Farbtönen zu einem schmalen Bereich von Blau; dann wiederholen sich die bräunlichen Farben und der Himmel bekommt eine überwältigend hohe und weite Anmutung. Es entfaltet sie die Wirkkraft des Gesehenen im Bild.
 
Fällt nun Schwarzlicht auf die Bildfläche, dann zeigt sich das zweite Motiv. Der Betrachter sieht sich einem riesigen Sparschein, in das gerade ein Geldstück gesteckt wird, gegenüber. Auf dem Geldstück befindet sich aber nicht sein Wert abgebildet, sondern es ist mit einer »Null« markiert und somit wertlos. Zudem zeigt der Index eines Aktienkurses einen rasanten Aktienverfall. Es ist ganz klar: Hier ist die Griechenlandkrise das zentrale Thema. Von einer Sekunde auf die andere  verändert sich das Geschehen auf der Leinwand. Umso konfrontativer wirkt das Thema auf den Betrachter. Die Künstlerin will in Frage stellen, will aufrütteln.

Wie anfangs gesagt: Das künstlerische Schaffen von Brigitte Broquet ist von Wandel, von Aktua-lität, von ihrem Dasein im Hier und Jetzt geprägt. Gegenwart nimmt sie äußerst aufmerksam wahr und macht deren Wirkkraft in ihren Gemälden sinnlich erfahrbar. In den Bildern mit Schwarzlichttechnik im doppelten Sinne.

Abschließend zu der Serie der Schwarzlichtarbeiten ist zu aufzuzeigen, dass Brigitte Broquet auch eine Reihe von kleinformatigen Schwarzlichtarbeiten präsentiert, die sogenannte BB-Edition. In ihnen arbeitet sie mit Worten. So ist unter Einfluss von Schwarzlicht beispielsweise zu lesen: At-me, Energie, Alles ist im Fluss, Harmonie oder Ich liebe dich.

Last but not least möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf das Bild Espace aus dem Jahr 2005 lenken. Auch andere Einflüsse haben das Werk Brigitte Broquets geprägt. So zum Beispiel die Musik. Hier zeigt sich der »Klang«, der in ihren Bildern mitschwingt auf ganz besondere Weise. Die Far-ben sind in der Manier eines Aquarells aufgebracht. Sie sind leicht, zart und auch kräftig und fließen weich wie die Töne und Melodien eines Musikstückes ineinander über.

Ich freue mich, wenn ich Ihnen die »Klangvielfalt« in den Arbeiten der Künstlerin erläutern konnte und wünsche Ihnen nun viel Freude bei der Betrachtung der Bilder.